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Wespenbussard

Lebensraum

Wespenbussard-Männchen

Wespenbussard-Männchen
Foto: © Paolo Pavan

Lebensraum im Solothurner Jura

Lebensraum im Solothurner Jura
Foto: © Hans Schmid

Der Wespenbussard ist in der Schweiz ein zwar weit verbreiteter, aber wenig bekannter Brutvogel. Er ist in erster Linie ein Waldbewohner, der zur Nahrungssuche häufig auch offenere Habitate aufsucht, insbesondere insektenreiche Wiesen. Grundsätzlich kann der Wespenbussard in mehr oder weniger allen Waldtypen brüten. Wälder an gut besonnten Hängen, die lückige Stellen oder Lichtungen aufweisen oder die von mageren Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten durchzogen sind, kommen seinen Ansprüchen besonders entgegen.

Geeignete Habitate finden sich vor allem in Landschaften mit einem höheren Waldanteil, etwa im Jura, entlang der Voralpen und in grösseren Alpentälern. Auch während der Brutzeit stossen Wespenbussarde gelegentlich in Höhen bis zur Baumgrenze vor, doch wurden bislang nie Horste oberhalb von 1500 m gefunden. Im Mittelland brütet der Wespenbussard nur zerstreut. Hier sind in Gebieten mit grösseren, möglichst ruhigen Waldflächen die Chancen am grössten, die Art nachzuweisen. Aber auch Bruten in der Nähe von Agglomerationen kommen gelegentlich vor.

Brutbiologische Hinweise

Bei juvenilen Wespenbussarden besteht eine erhöhte Verwechslungsgefahr mit dem Mäusebussard

Bei juvenilen Wespenbussarden besteht eine erhöhte Verwechslungsgefahr mit dem Mäusebussard
Foto: © Jean-Claude Péclard

Die Brutvögel treffen um Mitte Mai im Brutgebiet ein. Sie verpaaren sich umgehend und beginnen rasch mit dem Nestbau. Die Eiablage fällt auf die Monatswende Mai/Juni. Ende Juni/Anfang Juli schlüpfen die Jungen und gegen Anfang August fliegen sie aus. Die flüggen Jungen werden nur kurze Zeit von den Altvögeln versorgt. Diese fressen sich nun viel Fett an, um für den etwa ab dem 20. August einsetzenden Zug gerüstet zu sein. Die Jungvögel folgen etwa zweieinhalb Wochen später.

Dieser enge Zeitplan lässt den Paaren wenig Raum für Ersatzbruten. Viele scheinen auch nicht jedes Jahr einen Brutversuch zu machen. Mindestens einzelne Wespenbussarde ziehen noch spät im Mai, andere wandern bereits wieder im Juli ab. Vögel, die deutlich gerichtet fliegen und bei denen der Verdacht besteht, dass sie sich noch oder bereits wieder auf dem Zug befinden, dürfen höchstens mit Atlascode 1 notiert werden und zählen keinesfalls für den Atlas.

Beobachtungshinweise

Rotbraunes Männchen

Rotbraunes Männchen
Foto: © Beat Rüegger

Helles Männchen

Helles Männchen
Foto: © Daniele Occhiato

Die Reviere des Wespenbussards können sehr gross sein und Dutzende von Quadratkilometern umfassen. Auffällig und auf grosse Distanz eindeutig zu erkennen sind die Balzflüge der Männchen. Aus dem Gleitflug heraus gewinnen sie an Höhe und beginnen auf dem Kulminationspunkt der Flugbahn, die Flügel ganz hoch zu strecken und diese über dem Rücken ein paar Mal zusammenzuschlagen. Dieser wenige Sekunden dauernde „Schmetterlingsflug“ wiederholt sich in der Regel mehrfach hintereinander. Keine andere einheimische Vogelart zeigt dieses auffällige Verhalten. Wird es festgestellt, kann man davon ausgehen, dass es sich um ein besetztes Brutrevier handelt. Dieses Verhalten wird während der ganzen Brutsaison gezeigt, besonders aber im Mai und von Mitte Juli bis Mitte August.

Auf die Monatswende Juli/August fallen auch Beobachtungen von Familien mit ausgeflogenen Jungen. Die Vögel können dann recht ruffreudig sein. Ihre leicht melancholisch wirkenden „fjüüü-u“-Rufe tragen weit und sind leicht zu erkennen. Wespenbussarde auf dem Zug rufen hingegen nie. Rufende Wespenbussarde dürfen deshalb automatisch als Brutvögel taxiert und mit einem Atlascode von mindestens 3 versehen werden.

Wespenbussard-Weibchen, das eine Wespenwabe transportiert

Wespenbussard-Weibchen, das eine Wespenwabe transportiert
Foto: © Joël Bruezière

Weil Wespenbussarde Ende Juli und in der ersten Augusthälfte relativ auffällig sind, kann es sich lohnen, sich auf einem Punkt, der eine gute Übersicht über mögliches Wespenbussard-Gelände bietet, mit Fernrohr zu installieren und die Gegend geduldig abzusuchen. Die beste Beobachtungszeit ist bei schön warmem oder gar heissem Wetter und in den späteren Morgen- bis Mittagsstunden und Abendstunden.

Wespenbussarde legen ihre Nester sowohl auf Laub- wie auf Nadelbäumen an. Diese sind von oben als auch von unten gut gegen Sicht geschützt ist. Frisch angelegte Nester können recht klein sein. Die Vögel legen ihre Horste ständig mit belaubten Zweigen aus. Oft finden sich Wabenreste unterhalb des Horstes. Auch Mauserfedern oder andere Nahrungsreste können die Anwesenheit der Vögel verraten. Sonst jedoch sind die Wespenbussarde in Horstnähe unauffällig und die Jungen betteln nur leise.

Stimme

Die typischen „fjüüü-u“-Rufe des Wespenbussards sind hier zu hören (vgl. auch zweites Beispiel). Seltener ist ein leiser, klappernder „Rasselruf“ zu hören, der vor allem bei der Ablösung des Partners am Nest eingesetzt wird; er ähnelt von weitem einem leise ratternden Traktor. Weitere Rufbeispiele finden sich auf xeno-canto.org.

Weitere Informationen und Kontaktadressen

Hier ist der Film zum typischen Balzflug des Männchens abrufbar. Zudem ist auf Englisch ein Bestimmungsvideo zu Wespenbussard und Mäusebussard verfügbar.

Für spezielle Fragen zum Wespenbussard können Sie Hans Schmid per E-Mail oder telefonisch (041 462 97 26) kontaktieren. Für Fragen zum Atlas können Sie sich ans Atlasteam wenden.