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Uhu

Habitat und Lebensweise

Alarmierendes Uhuweibchen

Alarmierendes Uhuweibchen
Foto: © David Jenny

Der Uhu bewohnt halboffene Lebensräume, die mindestens teilweise offenes, aber strukturreiches Kulturland umfassen, wo er in erster Linie Mäuse erbeutet. Daneben ist er als opportunistischer Jäger auf eine Vielzahl weiterer Habitattypen angewiesen: Gewässer, Waldränder, Auen, Hecken, Moore. Damit beschränkt sich sein Vorkommen auf reich strukturierte, naturnahe Lebensräume zwischen 500 und 2200 m ü.M. Geschlossene Wälder, homogenes Kulturland und stark versiegelte Gebiete werden eher gemieden. Die Brutplätze liegen in Felswänden, die an offene oder halboffene Flächen angrenzen. Potenzielle Brutfelsen befinden sich in der Regel an den Talflanken oder an Hügelrücken, von wo aus die Uhus offenes Jagdgelände aus 20–100 m Höhe über dem Talboden direkt anfliegen können. Manchmal werden auch Kolkraben- oder Steinadlerhorste angenommen.

Blick aus einer Uhu-Brutnische Richtung Jagdgelände

Blick aus einer Uhu-Brutnische Richtung Jagdgelände
Foto: © David Jenny

Die Paare bewohnen ganzjährig ein 5–15 km2 grosses Revier und sind sehr standorttreu. Paarbildungen finden meist im Herbst statt (Oktober und November), aber auch im Frühjahr (April und Mai). Bei gefestigten Paaren erfolgt die Paarungsbalz mit dem charakteristischen Gesang des Männchens zwischen Februar und April. Die Intervalle zwischen den „buho“-Rufen betragen im Mittel 8–10 s und sind damit länger als bei der Waldohreule. Seltener ist auch der etwas höhere Ruf des Weibchens zu hören, manchmal singen beide Partner im Duett. Der Brutbeginn ist sehr variabel, meist zwischen Mitte März und Ende April. Die Nestlinge beginnen schon mit 4 Wochen hörbar zu betteln. Die charakteristischen, zischenden Bettelrufe (vergleichbar mit dem ruckartigen Zerreissen eines Stofffetzens) werden dabei im Verlauf der Entwicklung immer lauter und setzen sich bis zur Selbstständigkeit der Jungen im August/September fort.

Stimme

Der charakteristische Balzgesang des Uhumännchens ist im Bereich der Brutfelsen zwischen Februar und April gut zu hören. Auch Weibchen rufen während der Balzzeit. Bei Störungen am Brutplatz ertönen entenartige Alarmrufe. Im Juli und August sind Bettelrufe der Jungvögel zu hören.

Hinweise für die Anwesenheit des Uhus

Typischer Brutfelsen am Rand des Talbodens

Typischer Brutfelsen am Rand des Talbodens
Foto: © David Jenny

Verhören an potenziellen Brutfelsen während der Herbstbalz und zwischen Februar und April während der Abend- oder Morgendämmerung ist die beste Methode, um neue oder bisher nicht bekannte Paare aufzuspüren. Vom Locken mittels Klangattrappen ist eher abzuraten, wegen mässigen Erfolgsaussichten und dem Risiko, das Paarungsverhalten der Uhus durch einen „künstlich eingebrachten Rivalen“ zu stören.

Neben dem Verhören gibt es weitere Hinweise auf die Präsenz von Uhus. Bei freiem Blickkontakt auf einen potentiellen Brutfelsen können von Distanzen ausserhalb der Störungszone (mindestens 300 m) An- und Abflüge der Uhus während der Abenddämmerung beobachtet werden. Ab Ende Juni sind die Bettelrufe der Jungvögel zu hören, am besten während der Abenddämmerung bis etwa eine halbe Stunde nach dem Eindunkeln. Beim Absuchen einer potenziellen Brutwand und entlang des Felsfusses finden sich oft Kotspuren, Gewölle oder Beutereste (v.a. Vogelfedern) im Bereich der Brutnische, besonders ab August oder September.

Wegen ihrer Grösse sind Uhugewölle eigentlich unverwechselbar

Wegen ihrer Grösse sind Uhugewölle eigentlich unverwechselbar
Foto: © David Jenny

Die ersten Hinweise auf Uhupräsenz in neuen Gebieten gehen meist auf Beobachtungsmeldungen zurück. Es lohnt sich, solchen Meldungen nachzugehen und potenzielle Brutfelsen in der Umgebung der Beobachtung zu überprüfen.

Die Beobachter müssen sich über das Störungsrisiko bei Annäherung an einen besetzten Brutfelsen stets bewusst sein. Insbesondere während der Bebrütungs- und frühen Nestlingsphase reagieren die Altvögel empfindlich und verlassen die Brutnische bei Störungen. Beim Ertönen der charakteristischen Alarmrufe (vgl. oben) sollte man sich auf jeden Fall sofort zurückziehen.

Kontaktadressen

Für spezielle Fragen zum Uhu können Sie David Jenny per E-Mail oder telefonisch (079 646 28 32) kontaktieren. Für Fragen zum Atlas können Sie sich ans Atlasteam wenden.