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Tüpfelsumpfhuhn, Kleines Sumpfhuhn und Zwergsumpfhuhn

Allgemeines

Die drei Sumpfhühner führen ein verborgenes Leben im Schutz von Schilfgebieten und Verlandungszonen. Die Kenntnis der Stimme ist essenziell, denn die anwesenden Vögel lassen sich nur mit der Erfassung der Sänger zählen. Dafür sind speziell auf diese Arten ausgerichtete nächtliche Kontrollgänge notwendig. Selbstverständlich sind aber die Zugangsbeschränkungen zu den Schutzgebieten zu respektieren.

Die Sänger geben jedoch keinen Hinweis auf die Anwesenheit eines Paares, weil unverpaarte Männchen besonders ausdauernd balzen. Nach der Verpaarung reduzieren sie ihre Balzaktivität stark.

Weibchen des Kleinen Sumpfhuhns sind im Frühjahr an der einfarbig beigefarbenen Unterseite zu erkennen

Weibchen des Kleinen Sumpfhuhns sind im Frühjahr an der einfarbig beigefarbenen Unterseite zu erkennen
Foto: © Andreas Gygax

Der Einsatz einer Klangattrappe kann nützlich sein. Diese Methode ist jedoch auf das absolut nötige Minimum zu beschränken. Zudem ist Vorsicht geboten, weil meistens primär die Wasserralle antwortet bzw. einfach auf den Lärmstimulus hin zu rufen beginnt. Der antwortende Vogel muss also sehr genau auf die Artzugehörigkeit geprüft werden. Die Lautäusserungen der Wasserralle sind ausser dem ferkelartigen Quietschen sehr variabel und teils wenig bekannt. Zu beachten sind auch zahlreiche Rufe des Teichhuhns, die noch ähnlicher klingen!

Bei positiven Nachweisen sind Nachkontrollen in den nächsten Tagen wichtig, um eine kurze Rast eines späten Durchzüglers auszuschliessen und gleichzeitig erneute Beobachtungen zu erhalten, bevor die Vögel nur noch sehr wenig rufen, wenn sie verpaart sind. Das kann schon nach wenigen Tagen der Fall sein. Auch spätere Kontrollen sind sehr erwünscht, um eine allfällige Brut zu dokumentieren versuchen. Besonders bei Sichtbeobachtungen sollte versucht werden, das Vorkommen mittels einer weiteren Beobachtung zu bestätigen.

Bei allen Arten, vor allem beim Kleinen Sumpfhuhn und beim Zwergsumpfhuhn, sind Tonbelege, auch mit einem Handy, zur Verifizierung der Artbestimmung sehr wertvoll.

Tüpfelsumpfhuhn

Lebensraum

Lebensraum des Tüpfelsumpfhuhns am Südufer des Neuenburgersees

Lebensraum des Tüpfelsumpfhuhns am Südufer des Neuenburgersees
Foto: © Verena Keller

Das Tüpfelsumpfhuhn bevorzugt dauerhaft niedrig unter Wasser stehende Feuchtgebiete und brütet in dichtbewachsenen, ausgedehnten Verlandungszonen im Bereich zwischen Schilfgürtel und Grossseggenriedern, in verschilften Grossseggenriedern oder in reinen überfluteten Altschilfbeständen mit Knickschicht. Optimale Bedingungen findet es in Feuchtgebieten, die eine Vielzahl unterschiedlicher Wassertiefen aufweisen.

Beobachtungshinweise

Der Frühjahrszug gipfelt im April und läuft bis Ende Mai aus. In einigen Jahren kommen balzende Männchen noch bis im Juni oder Juli an. Ähnlich wie bei der Wachtel handelt es sich bei diesen spät eintreffenden Nachzüglern möglicherweise um Vögel, die bereits anderswo ein erstes Mal gebrütet haben oder dies zumindest versuchten. Der Herbstzug ist viel auffälliger als der Frühjahrszug und beginnt bereits Mitte Juli. Bei Meldungen in der zweiten Julihälfte sollte also nur bei vorhergehenden Brutzeitbeobachtungen ein Atlascode vergeben werden.

Tüpfelsumpfhuhn

Tüpfelsumpfhuhn
Foto: © Andreas Gygax

Die beste Zeit, um ein Tüpfelsumpfhuhn nachzuweisen, liegt zwischen der Abenddämmerung und den ersten Nachtstunden sowie in der Morgendämmerung (im Mai und Juni von 21 bis 24 Uhr und von 3 bis 6 Uhr). Die Balzstrophe ist nicht einfach zu lokalisieren. So können zum Beispiel Büsche ein Echo werfen. Manchmal ist es schwierig zu bestimmen, wie viele Sänger zu hören sind, denn die Balzintensität und die Lautstärke der Balz können stark schwanken. Dadurch erscheint die Balz mal nah, mal wieder weiter entfernt. Individuelle Gesangsunterschiede können zur Unterscheidung der Männchen nützlich sein. Es sollte unbedingt versucht werden, simultan balzende Individuen zu erfassen.

Vorkommen abseits der am regelmässigsten besetzten Feuchtgebieten (Südufer des Neuenburgersees, Neeracherried ZH, Kaltbrunner Riet SG und deutscher Teil des Untersees) sollten wenn möglich mit einer Tonaufnahme dokumentiert werden. Damit eine Meldung des Tüpfelsumpfhuhns für den Atlas zählt, muss sie ab dem 1. Mai erfolgen. Aprilbeobachtungen sollten daher wenn möglich ab Mai bestätigt werden.

Stimme

Das Männchen balzt mit peitschenden Lauten, die etwa im Sekundentakt aufgereiht werden und wie „huitt, huitt, huitt“ tönen (vgl. auch zweites und drittes Beispiel). In stillen Nächten kann die Balzstrophe über 1 km weit zu hören sein. Auch das Weibchen ruft diese markante Strophe, aber selten und leiser als das Männchen. Die Rufe der Altvögel sind hier zu hören. Ein- und mehrtägige Jungvögel rufen ein in Pausen von 3–6 s vorgetragenes „tji(e)“. Weitere Beispiele finden sich auf xeno-canto.org.

Kleines Sumpfhuhn

Lebensraum

Lebensraum des Kleinen Sumpfhuhns am Südufer des Neuenburgersees

Lebensraum des Kleinen Sumpfhuhns am Südufer des Neuenburgersees
Foto: © Coll. Association Grande Cariçaie

Das Kleine Sumpfhuhn brütet in überfluteten, dichten und älteren Beständen von Schilf und Rohrkolben, gebietsweise auch in Binsen und Seggen mit kleinräumigen Wasser- und Schlickflächen. Gerne besiedelt es mindestens 30 cm tief überflutete Altschilfbestände mit Knickschicht.

Beobachtungshinweise

Der Heimzug kulminiert Mitte April und ist Ende Mai wohl abgeschlossen. Feststellungen im Juni betreffen zumeist potenzielle Brutvögel. In der letzten Julidekade erscheinen die ersten Herbstdurchzügler.

Das Kleine Sumpfhuhn ist überwiegend tagaktiv und die Balz ganztags zu hören, besonders in den Morgenstunden sowie in der Dämmerung. Solange die Vögel unverpaart sind, können sie auch die ganze Nacht rufen. Bei rein akustischen Nachweisen wird empfohlen, sie mit einem Tonbeleg zu dokumentieren.

Bei dieser Art zählen nur Meldungen ab dem 15. Mai für den Atlas. Beobachtungen vor diesem Datum sollten daher ab Mitte Mai bestätigt werden.

Stimme

Das Männchen des Kleinen Sumpfhuhns hat eine blaugraue Unterseite

Das Männchen des Kleinen Sumpfhuhns hat eine blaugraue Unterseite
Foto: © Stefan Kohl

Die Balz des Männchens ist eine anfangs in Abständen von 1–2 s vorgetragene, zum Ende etwas abfallende und schneller werdende Folge kurzer, nasal quäkender „quäck“-Laute ohne Triller (vgl. auch zweites und drittes Beispiel). Verwechslungen kommen vor allem mit den Rufen der Wasserralle vor, aber vor allem der Charakter des Tons ist anders: Beim Kleinen Sumpfhuhn ist es eher schallendes „quo-quo“, bei der Wasserralle ein scharfes „ti-ti-ti-ti“. Auch der Teichfrosch kann ähnlich rufen. Der Balzruf kann bei Windstille mehrere 100 m weit tragen, aber weniger weit als beim Tüpfelsumpfhuhn. Das Weibchen ruft bellend „pöck pöck pörrr“. Auch diese Lautäusserung wird manchmal mit der Wasserralle verwechselt, nämlich mit der Paarungsstrophe, oder mit dem Teichhuhn. Erregte Altvögel rufen in Nestnähe kurz „tjiuck“. Weitere Beispiele finden sich auf xeno-canto.org.

Zwergsumpfhuhn

Lebensraum

Zwergsumpfhuhn

Zwergsumpfhuhn
Foto: © Beat Rüegger

Das Zwergsumpfhuhn besiedelt seicht überspülte Seggenwiesen in grösseren Feuchtgebieten. Die letzten Brutnachweise in der Schweiz stammen von 1970 und 1971 in Chavornay VD und von 1981 in der Thuner Allmend BE. Dabei handelte es sich um alte Ziegeleiweiher bzw. um einen grösseren, stark mit Rohrkolben überwucherten Weiher auf einem militärischen Übungsgelände. Bruthinweise gibt es immer wieder vom Neeracherried ZH. Brutnachweise sind wie bei den anderen Arten in Schutzgebieten praktisch nicht zu erbringen.

Beobachtungshinweise

Der Frühjahrszug kulminiert im Mai und läuft bis Mitte Juni aus. Feststellungen aus dem Juni und dem Juli betreffen meist potenzielle Brutvögel. Der Wegzug setzt Ende Juli ein.

Wie die anderen Sumpfhühner balzt auch das Zwergsumpfhuhn vor allem in der Abenddämmerung und nachts. Sämtliche Feststellungen des Zwergsumpfhuhns sind protokollpflichtig und müssen der Schweizerischen Avifaunistischen Kommission vorgelegt werden. Zudem muss auch bei dieser Art eine Meldung ab dem 15. Mai erfolgen, damit sie für den Atlas zählt.

Stimme

Das Männchen balzt mit einer Reihe harter, hölzerner und vokalloser Silben, die wie „errrrr“ tönen und an eine Knäkente oder Wasserfrösche erinnern (vgl. auch zweites Beispiel). Der Warnruf des Drosselrohrsängers klingt ebenfalls ähnlich.

Die Strophe dauert etwa 1 s, setzt nach einer Pause von 1–2 s wieder ein und erfolgt entweder in einem leichten Auf und Ab oder sie verharrt auf einer Ebene. Die Balz ist kaum weiter als 200 m zu hören. Zur Unterscheidung von Wasserfröschen kann dienen, dass diese eher gepresst „quä-ä-ä“ rufen, während der Balzruf des Zwergsumpfhuhns reiner und hölzerner „rrrrrrr“ tönt. Das unverpaarte Weibchen ruft leise und kurz „schrrr“, ähnlich einem warnenden Rohrsänger. Weitere Beispiele finden sich auf xeno-canto.org.

Kontaktadressen

Für spezielle Fragen zu Sumpfhühnern wie auch für Fragen zum Atlas können Sie sich ans Atlasteam wenden.