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Mornellregenpfeifer

Lebensweise und Habitat

Plateauähnlicher Lebensraum mit spärlicher Vegetation um Mitte August

Plateauähnlicher Lebensraum mit spärlicher Vegetation um Mitte August
Foto: © Maria Müller-Derungs

Der Mornellregenpfeifer ist aufgrund seiner geringen Scheu, seiner hervorragenden Tarnung, seiner wenig auffälligen Lautäusserungen und seines alpinen Bruthabitats eine besonders schwierig nachzuweisende Art. Er brütet in alpinem Gelände in einer Höhenlage zwischen 2000 und 3000 m ü.M. Als Habitat kommen tendenziell eher kurzrasige, in Ausnahmefällen auch etwas höher bewachsene (ca. 15 cm), offene Steinschuttfluren und Wiesenflächen in Frage. Eine Durchsetzung mit Kies, aber auch grösseren Steinen ist ebenso möglich wie reine Wiesenflächen, die durch Beweidung von Rindern oder Schafen niedrig gehalten werden. Die Bruthabitate sind flach oder sanft geneigt. Die Art bevorzugt einsamere Gegenden, kann allerdings aufgrund der teilweise gegebenen Standorttreue auch stark vom Menschen frequentierte Areale zum Brüten nutzen.

Der Mornellregenpfeifer ist in den Alpen vom Aussterben bedroht, weshalb auch bei Kartierungsgängen das Wohl der Vögel im Vordergrund stehen sollte. Insbesondere ist darauf zu achten, keine Essensreste oder Gegenstände im Gebiet zurückzulassen, die beispielsweise Greifvögel, Kolkraben oder Füchse anziehen könnten, da dadurch u.a. die Gefahr von Gelege- oder Jungenverlusten entstehen kann.

Beobachtungshinweise

Altvogel Anfang Juli im Brutgebiet

Altvogel Anfang Juli im Brutgebiet
Foto: © Liliana Dagostin und Lisa Hintringer

Eine erfolgreiche Suche ist stark vom saisonalen Wetterverlauf abhängig. So kann es in Ausnahmefällen in sehr milden Jahren mit frühzeitiger Ausaperung bereits Anfang oder Mitte Mai Gelege geben. In der Regel ist allerdings zu empfehlen, einen ersten Kontrollgang um den 20. Juni zu unternehmen, da die Altvögel (bzw. hauptsächlich das Männchen) bei starker Sonneneinstrahlung oftmals neben dem Nest stehen, um die Eier von der Sonne wärmen zu lassen. Dadurch können die Vögel wesentlich leichter entdeckt werden als wenn sie in die Nestmulde gedrückt sitzen. In letzterem Fall ist es nur mit viel Glück möglich, den Vogel bei Annäherung des Beobachters auszumachen, da er – wenn überhaupt – das Nest in der Regel nur auf sehr geringe Distanz verlässt. Bei der Suche nach der Art ist vorwiegend auf den auffälligen, im Nacken v-förmig zusammenlaufenden weissen Überaugenstreif zu achten, da die restlichen Gefiederpartien des Vogels vollständig mit ihrer Umgebung verschmelzen.

Weibchen Mitte Juli im Brutgebiet

Weibchen Mitte Juli im Brutgebiet
Foto: © Christoph Meier-Zwicky

Ein zweiter Kontrollgang ist in Jahren mit durchschnittlicher Witterung und Schneeschmelze um den 10. Juli zu empfehlen, da zu diesem Zeitpunkt die Jungvögel meist schon geschlüpft sind und neben dem Altvogel nach Nahrung suchen. Es ist allerdings zu beachten, dass selbst eine Woche alte Jungvögel bereits grössere Distanzen mit dem führenden Männchen überwinden können und daher manchmal nicht mehr im Bereich des Nests angetroffen werden können. Bei starken witterungsbedingten Beeinträchtigungen kann es zu Nachgelegen bis in den August hinein kommen.

Als Vorgehensweise bei der Kartierung empfiehlt es sich, langsam das Gebiet zu durchschreiten und in Abständen von 10–20 m zu stoppen, um das Gebiet sowohl mit dem Fernglas (so weit als möglich vorausschauend) als auch mit blossem Auge (die unmittelbare Umgebung) abzusuchen. Ein Spektiv kann bei der Suche ebenfalls geeignet sein. Zeitlich sind die Abenddämmerung und die frühen Morgenstunden am günstigsten, wobei verstärkt auf Rufaktivitäten geachtet werden sollte. Für die erste Gebietskontrolle hat sich andernorts der Einsatz einer Klangattrappe bewährt, wobei sie nur sehr moderat benutzt werden soll.

Wenige Tage altes Küken des Mornellregenpfeifers

Wenige Tage altes Küken des Mornellregenpfeifers
Foto: © Maria Müller-Derungs

Gefundene Neststandorte und Bruten sollten unbedingt vertraulich behandelt werden, um eine Frequentierung durch andere Beobachter und Fotografen und damit verbundene Störungen zu vermeiden. Das Atlasteam sollte aber möglichst umgehend informiert werden, auch wenn nur Altvögel während der Brutzeit (d.h. im Juni und Juli) beobachtet werden konnten. Ebenso wichtig ist, dass erfolglose Suchen auf ornitho.ch (mit Atlascode 99) gemeldet werden.

Stimme

Die Rufe des Mornellregenpfeifers sind hier zu hören. Weitere Beispiele finden sich auf xeno-canto.org, so auch die Alarmrufe eines Männchens am Nest, den Gesang, Rufe eines Weibchens sowie Flugrufe.

Kontaktadressen

Für spezielle Fragen zum Mornellregenpfeifer können Sie Claudia Müller per E-Mail oder telefonisch (041 462 97 64) kontaktieren. Für Fragen zum Atlas können Sie sich ans Atlasteam wenden.