Feldarbeit abgeschlossen

Aktuelles

Abschluss der Feldarbeiten
Weiter

Mitmachen

Atlasbörse
Weiter

Methode

Einteilung der Arten
Weiter

Bestimmung von Alpen-, Weiden- und Sumpfmeise

Sumpfmeise. Ein deutliches helles Armschwingenfeld fehlt und die hinteren Wangen sind beige gefärbt.

Sumpfmeise. Ein deutliches helles Armschwingenfeld fehlt und die hinteren Wangen sind beige gefärbt.
Foto: © Mathias Schäf

Alpenmeise. Gut erkennbar sind die rein weissen Wangen und das helle Armschwingenfeld.

Alpenmeise. Gut erkennbar sind die rein weissen Wangen und das helle Armschwingenfeld.
Foto: © Jean-Paul Luthi

Schwierigkeiten bei der Vogelbestimmung betreffen nicht nur seltene Gäste. Die Unterscheidung von Sumpfmeise Parus palustris und Mönchsmeise P. montanus ist diesbezüglich ein gutes Beispiel. Mit etwas Erfahrung kann man sich mit den Unterschieden der Feldkennzeichen und der Stimme von Sumpf- und Mönchsmeise vertraut machen. Die Areale dieser zwei Arten sind in den Alpen durch die verschiedenen Lebensräume und die besiedelte Höhenstufe relativ klar getrennt. Diese Situation ist europaweit bemerkenswert, denn die alpine Unterart P. m. montanus der Mönchsmeise (nachfolgend als «Alpenmeise» bezeichnet) kommt nur in einem Grossteil der Alpen und der Karpaten vor. Ausserhalb der Alpen wird es noch etwas komplexer. In den Voralpen, im Mittelland und im Jura kann die verbreitete Sumpfmeise nämlich teilweise in ähnlichen Lebensräumen vorkommen wie die seltenere Mönchsmeise, die hier mit den Unterarten P. m. rhenanus und P. m. salicarius (nachfolgend als «Weidenmeise» zusammengefasst) vertreten ist.

Verbreitung der Mönchsmeise in der Schweiz gemäss dem Atlas 1993–1996 (orange Quadrate) sowie Meldungen von Alpen- (blaue Quadrate) und Weidenmeisen (rote Kreise). Die Sterne zeigen jene Orte an, an denen Sänger beider Gesangstypen anwesend sind (violett gemäss Thönen 1962 und grün gemäss dem Freiburger Brutvogelatlas 1993).

Verbreitung der Mönchsmeise in der Schweiz gemäss dem Atlas 1993–1996 (orange Quadrate) sowie Meldungen von Alpen- (blaue Quadrate) und Weidenmeisen (rote Kreise). Die Sterne zeigen jene Orte an, an denen Sänger beider Gesangstypen anwesend sind (violett gemäss Thönen 1962 und grün gemäss dem Freiburger Brutvogelatlas 1993).

In unserem Land wurde die Verbreitung dieser Unterarten im Detail nur von Willy Thönen 1962 untersucht. Demnach verläuft die Arealgrenze von Alpen- und Weidenmeise entlang einer Linie vom Genfersee über Thuner- und Brienzersee zum Vierwaldstätter- und Walensee bis zum Rheintal bei Sargans. Thönen wies zwei Kontaktzonen zwischen den beiden Meisenformen nach, wo die Weidenmeise in den Lebensraum der Alpenmeise vorstösst: nördlich des Walensees und in der Gegend des Thuner- und Brienzersees. Später wurde noch eine weitere Kontaktzone am Fuss der Freiburger Voralpen gefunden.

Seit der Arbeit von Thönen sind die Unterarten der Mönchsmeise ohne besondere Überwachung geblieben. Daher reichen die Meldungen nicht aus, um die genaue Bestandsentwicklung zu beschreiben. Die Weidenmeise scheint vor allem im Mittelland abgenommen zu haben. Wir möchten also die Untersuchungen für den Atlas 2013–2016 nutzen, um diese Wissenslücke zu füllen. In diesem Beitrag möchten wir auf die nützlichen Merkmale zur Unterscheidung dieser Arten und Unterarten sowie auf bestehende Schwierigkeiten aufmerksam machen.

Bestimmung

Sonagramm des Gesangs der Weidenmeise.

Sonagramm des Gesangs der Weidenmeise.
Foto: © André Bossus

Sonagramm des Gesangs der Alpenmeise

Sonagramm des Gesangs der Alpenmeise
Foto: © André Bossus

Der Gesang der Mönchsmeise variiert in ihrem gesamten Areal stark. Mehrere Unterarten werden wegen Differenzen des Gesangs unterschieden. Bei Alpen- und Weidenmeise ist der Gesang sogar das einzige Bestimmungsmerkmal, weil beide Taxa im Feld nicht unterschieden werden können und die Rufe sehr ähnlich sind. Der Gesang der Alpenmeise besteht aus einer Reihe von meist kurzen, gleich hoch bleibenden Pfeiftönen wie «dü dü dü dü dü». Die Weidenmeise äussert ebenfalls wiederholte Töne, die aber in der Regel weniger klar, länger und leicht absteigend klingen: «ziüh ziüh ziüh». Etwas Übung mit Hilfe von Tonaufnahmen und Sonagrammen sollte es möglich machen, die beiden Gesangsformen im Feld zu erkennen.

Ausserhalb der Kontaktzonen unterscheiden sich Alpen- und Weidenmeise in der Regel durch den besiedelten Lebensraum. Die Alpenmeise ist an die montane und subalpine Stufe gebunden (meistens ab 1000–1200 m ü.M. bis zur oberen Baumgrenze). Die Weidenmeise ihrerseits bevorzugt im Mittelland weichholzreiche Auenwälder und im Jura Moorgebiete. Im Flachland besteht die Hauptverwechslungsgefahr in Auenwäldern, wo Weiden- und Sumpfmeise nebeneinander brüten können. Bei diesen beiden Arten ist die Bestimmung aber auch anhand einiger Feldkennzeichen möglich. Zudem gibt es Unterschiede bei den Rufen: Die Sumpfmeise ruft nervös und explosiv, während die Weidenmeise heiser und nasal klingt. Eine weitere Verwechslungsgefahr besteht zwischen dem wehmütigen «tüh tüh tüh»-Gesang des Waldlaubsängers und dem Gesang der Weidenmeise. Ein guter Vergleich ist auf der Internetseite www.wildechoes.org unter der Mönchsmeise zu finden.

Erfassung von Alpen- und Weidenmeisen

Die Aktualisierung des Wissenstands über die Verbreitung von Alpen- und Weidenmeise in der Schweiz macht es nötig, dass die beiden Meisenformen in Zukunft getrennt erfasst werden. Einen besonderen Effort braucht es in den bekannten Kontaktzonen und möglicherweise auch in anderen Voralpengebieten. Grundsätzlich sollte jeder singenden Mönchsmeise in tieferen Lagen genau zugehört werden.

Im Frühjahr beginnen Weidenmeisen früh zu singen. Feldbegehungen vor dem offiziellen Datumslimit (15. April) sind durchaus nützlich. In tieferen Lagen ist die Reviermarkierung bei der Weidenmeise in der Regel von Anfang März bis Mitte April am meisten ausgeprägt. Um für den Atlas berücksichtigt zu werden, muss allerdings ein früh entdecktes Revier entweder später in der Saison (d.h. ab dem 15. April) oder durch Meldungen mit einem hohen Atlascode (d.h. grösser als 3) bestätigt werden.

Weitere Informationen und Kontaktadressen

Wir bedanken uns bei Chris Hails von www.wildechoes.org für die beiden Gesangsaufnahmen. Die zwei Rufaufnahmen stammen von der Datenbank  xeno-canto.org. Weitere Beispiele von Rufen, Gesängen und Sonagrammen sowie Hinweise zur Bestimmung von zahlreichen Arten finden Sie auf der Internetseite www.wildechoes.org. Auf der Datenbank xeno-canto.org stehen ebenfalls zahlreiche Aufnahmen zur Verfügung, die auch heruntergeladen werden können.

Zudem ist auf Englisch ein Bestimmungsvideo zu Sumpfmeise und Weidenmeise verfügbar.

Für spezielle Fragen zu Alpen-, Weiden- und Sumpfmeisen können Sie sich ans Atlasteam wenden.