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Indirekte Hinweise auf das Vorkommen von Raufusshühnern und Steinhuhn

Vielfach bietet der Nachweis von Haselhuhn Bonasa bonasia, Birkhuhn Tetrao tetrix, Auerhuhn Tetrao urogallus, Alpenschneehuhn Lagopus muta und Steinhuhn Alectoris graeca wegen ihrer meist auf kurze Zeiträume um Sonnenauf- und -untergang beschränkten Rufaktivität und wegen ihrer eher heimlichen Lebensweise Schwierigkeiten. Kot- und Federfunde können Hinweise auf ihr Vorkommen geben und so den Nachweis dieser Arten erleichtern.

Raufusshühner (Hasel-, Birk-, Auer- und Alpenschneehuhn)

Wegen der sehr faserreichen, schwer verdaulichen Nahrung produzieren Raufusshühner im Winterhalbjahr grosse Mengen Kot, der sich nur langsam zersetzt und vielfach auch nach der Schneeschmelze noch auffällt. Der Winterkot der vier in der Schweiz vorkommenden Arten unterscheidet sich in Form und Farbe nicht stark. Auch der Durchmesser der zylindrischen Kotstücke erlaubt eine eindeutige Zuweisung ohne weitere Hinweise in der Regel nur beim Auerhahn. In allen anderen Fällen gibt es zu viele Überschneidungen als dass der Fund von Winterkot direkt als Nachweis gelten kann, wenn nicht weitere Aspekte einbezogen werden.

Winterkot von Raufusshühnern und Steinhuhn

Winterkot von Raufusshühnern und Steinhuhn
Foto: © Niklaus Zbinden

Einige Beispiele: Im Jura fehlen Birk- und Alpenschneehuhn; der Kot von Auer- und Haselhuhn wird sich in den allermeisten Fällen eindeutig zuordnen lassen. Die Habitatansprüche von Haselhuhn und Alpenschneehuhn sind derart unterschiedlich, dass es kaum zu Fehlbestimmungen kommen sollte.

Im Gegensatz zum Winterkot geben die Raufusshühner mit dem Beginn der Vegetationszeit weicheren Kot ab, der sich auch rasch zersetzt. Er ist weniger konstant in der Form und die Zuordnung zu einer der Arten ist noch unsicherer als beim Winterkot. Dasselbe gilt für die grossen Kotballen, die von der brütenden Henne abgegeben werden.

Obwohl die Raufusshühner in der Regel ganzjährig im Brutgebiet bleiben, sollen Funde von Winterkot von Hasel-, Birk- und Alpenschneehuhn wenn immer möglich durch direkte Nachweise bestätigt werden. Insbesondere Birk- und Alpenschneehuhn rufen in der Morgendämmerung recht zuverlässig, letzteres auch beim Einnachten. Der Einsatz einer Klangattrappe führt manchmal vor allem beim Alpenschneehuhn zu einem raschen Erfolg.

Eine Exkursion im Hoch- oder Spätsommer im Gebiet, wo Winterkot gefunden wurde, führt möglicherweise zum Fund von Mauserfedern. Vielfach finden sich bei Erdaufschlüssen (z.B. beim Wurzelteller eines umgestürzten Baumes) Staubbadestellen, wo die Chance auf einen Federfund besonders gross ist.

Auf das Vorkommen des Alpenschneehuhns machen zudem im Frühjahr die einzeln herumliegenden weissen Mauserfedern des Winterkleides aufmerksam.

Steinhuhn

Der Kot des Steinhuhns unterscheidet sich mindestens im Winterhalbjahr deutlich von jenem der Raufusshühner. Die Nahrung dieser Art besteht auch in dieser Jahreszeit aus Frischgrün (Gras, Kräuter). Verholzte Teile fehlen deshalb im Kot. Dieser weist anstatt der braunen eher eine grau-grüne Farbe auf. Der Kot hat eine weniger konstante Form als jener der Raufusshühner und ist häufig am dickeren Ende gedreht. Ja nach Schneelage ist das Steinhuhn gezwungen, das engere Brutgebiet zu verlassen und tiefer gelegene Orte aufzusuchen. Funde von Winterkot sind also auch ausserhalb des Brutgebiets möglich, geben aber einen guten Hinweis, wo in grösserer Höhe sich eine genauere Suche lohnen dürfte. Wie die Raufusshühner sucht das Steinhuhn gerne Erosionsanrisse und andere vegetationsfreie Stellen auf, wo vor allem bei Staubbadestellen regelmässig Mauserfedern zu finden sind.

Auch beim Steinhuhn soll versucht werden, in den frühen Morgen- und späten Abendstunden einen direkten Nachweis rufender Individuen zu erzielen. Der Einsatz einer Klangattrappe ist manchmal zielführend.

Was machen mit Kotproben und Federn?

Kotproben, deren Zuordnung eindeutig scheint, und Federn sollen eingesammelt und aufbewahrt werden, wenn in diesem Gebiet kein direkter Nachweis der einzelnen Arten erzielt werden kann. Der Kot ist nach dem Sammeln möglichst rasch auf einem Heizungskörper oder im Backofen (1–2 h bei 70° und nicht ganz geschlossener Türe) zu trocknen. Sie können uns dieses Material zur Beurteilung an folgende Adresse schicken: Schweizerische Vogelwarte, Atlas, CH–6204 Sempach. In besonders kritischen Fällen werden wir Sie auch um die Einsendung bitten. Wenn Sie die Fundstücke nicht einsammeln wollen, sollten Sie Fotos (mit Massstab!) machen. Allerdings lassen sich so Struktur und Inhalt des Kots nur andeutungsweise erkennen.

Kontaktadressen

Für spezielle Fragen zu Hühnervögeln können Sie Pierre Mollet per E-Mail oder telefonisch (041 462 97 41) kontaktieren. Für Fragen zum Atlas können Sie sich ans Atlasteam wenden.

Bonasa bonasia 
Bonasa bonasia