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Dreizehenspecht

Lebensraum

Die Spannweite der Brutplätze reicht vom lichten, reich strukturierten Wald bis zum geschlossenen, homogenen Wald

Die Spannweite der Brutplätze reicht vom lichten, reich strukturierten Wald bis zum geschlossenen, homogenen Wald
Foto: © Ruedi Hess

Grossflächige montane und subalpine Fichtenwälder sind der wichtigste Lebensraum des Dreizehenspechts

Grossflächige montane und subalpine Fichtenwälder sind der wichtigste Lebensraum des Dreizehenspechts
Foto: © Ruedi Hess

Der Dreizehenspecht ist ein unauffälliger Vogel des naturnahen Fichtenwaldes der Nord- und Zentralalpen sowie lokal im Wallis, auf der Alpensüdseite und im Jura. Er bevorzugt lichte, gestufte Bestände reiner Fichtenwälder, in tieferen Lagen werden auch von Tanne und Rotbuche durchsetzte Fichtenwälder besiedelt, innerhalb oder am Rand des Fichtenareals auch Bergföhren- und Lärchen-Arvenwälder. Im Jura brütet der Dreizehenspecht auf den höchsten Plateaus in alten und lichten Fichtenwäldern. Das Vorhandensein von toten Bäumen (stehend und liegend) und toten Baumteilen wie Ästen oder Stöcken ist in allen Lebensräumen wichtig.

Stimme

Dreizehenspecht-Männchen

Dreizehenspecht-Männchen
Foto: © Alexandre Scheurer

Der Dreizehenspecht ist am einfachsten dank seiner bis über 1 km weit hörbaren Trommelwirbel nachzuweisen. Der kräftige Trommelwirbel mit deutlich voneinander getrennten Schlägen ist mittellang, häufig am Schluss lauter und leicht beschleunigt. Männchen und Weibchen trommeln das ganze Jahr, mit Ausnahme von Juni und Juli, der Zeit der Jungenaufzucht. Die maximale Trommelaktivität ist von Februar bis Mitte Mai und im Oktober, jeweils rund 30 min pro Tag in den frühen Morgenstunden. Im April und Mai dauert die Trommelaktivität etwas länger und bis gegen Mittag hin.

Der Dreizehenspecht ist in dieser Zeit nicht scheu, und man kann sich ihm während des Trommelns nähern und so die Bestimmung im Zweifelsfall sicherstellen. Er kann mit einer Klangattrappe leicht zum Antworten gebracht werden; dasselbe kann auch durch Imitation des Trommelwirbels erreicht werden, indem man mit einem kurzen Holzstück schnell auf einen Stamm oder dicken Ast schlägt. Die Klangattrappe ist jedoch zurückhaltend einzusetzen, um die Vögel nicht unnötig zu stören. Sie sollte bei ungünstigen Bedingungen wie starker Wind und Regen sowie tiefen Temperaturen nicht eingesetzt werden.

Der Trommelwirbel des Dreizehenspechts ist hier zu hören (vgl. auch zweites und drittes Beispiel). Der häufigste Ruf ist ein „bick“, weicher als der Buntspechtruf. Er wird einzeln oder in kurzen Rufreihen geäussert. Die Bettelrufe der Jungen erinnern an ein Insekt oder ein fernes Motorengeräusch. Auf xeno-canto.org finden sich zahlreiche weitere Beispiele.

Beobachtungshinweise

Dreizehenspecht-Weibchen

Dreizehenspecht-Weibchen
Foto: © Pierre Wegmüller

In den nördlichen Randalpen ist die Suche auf Fichten- und Bergföhrenwälder oberhalb von 1300 m ü. M. auszurichten, in den Alpen entsprechend höher und auch auf Arvenwälder. In erster Linie sind grossflächige Wälder ab 1 km2 abzusuchen. Naturnahe Wälder sind besser als naturferne, entscheidend ist ein hoher Totholzanteil.

Für den Nachweis muss man im April und Mai frühzeitig, am besten bei Tagesanbruch, im Gebiet sein, was in höheren Lagen oft den Einsatz von Tourenski oder Schneeschuhen erfordert. Obschon dies aufwändig ist, ist eine frühzeitige Anwesenheit im Gebiet zusätzlich von Vorteil für die Suche anderer Arten wie Weissrückenspecht, Raufusskauz und Sperlingskauz.

Vorwiegend ab Herbst und bis Brutbeginn sucht der Dreizehenspecht unter anderem an frischtoten Borkenkäfer-Fichten Nahrung. Diese Bäume, oft auch durch am Boden liegende, vom Specht abgeschlagene Rindenstücke gekennzeichnet, sind relativ auffällig. Es lohnt sich, im Umfeld solcher Bäume innezuhalten und auf das Hackgeräusch allfälliger Spechte zu achten.

„Ringelbäume“ sind ein guter Hinweis auf die Anwesenheit des Dreizehenspechts, aber kein sicherer Nachweis. Beim Ringeln verhalten sich die Vögel allerdings ruhiger als bei der Nahrungssuche auf Käferlarven, weil sie bei dieser Tätigkeit vergleichsweise weniger hacken.

Die meisten Jungvögel fliegen in der zweiten Junihälfte und Anfang Juli aus. Daher ist die Zeit ab der zweiten Junidekade am besten, um besetzte Bruthöhlen zu suchen. Die Bettelrufe der Jungspechte sind bei guten Bedingungen mehrere 100 m weit zu hören. Allerdings legen die Jungen auch immer wieder lange Pausen ein, so dass positive Nachweise Zufallstreffer sind.

Kontaktadressen

Für spezielle Fragen zum Dreizehenspecht können Sie Ruedi Hess per E-Mail oder telefonisch (041 750 28 84) kontaktieren. Falls in einem potenziellen Dreizehenspecht-Gebiet kein Nachweis erbracht werden kann, können Sie sich an ihn wenden. Er wird dann einen Vorschlag machen, wo primär gesucht werden soll. Für Fragen zum Atlas steht das Atlasteam zur Verfügung.